Crowdworking in der Automobilindustrie


Die Arbeitsplätze in der Automobilbranche geraten unter Druck. Produktionsstandorte werden in Niedriglohnregionen verlagert. Die Daimler-AG praktiziert vernetztes Arbeiten seit Jahren – sowohl zwischen Projekt- und Arbeitsgruppen wie auch zwischen verschiedenen Firmenstandorten im In- und Ausland. Wie sehen die Handlungsfelder für die Betriebsratsarbeit aus? Ein Blick hinter die Kulissen von Bernd Öhrler und Jörg Spiess.


Kernaussagen

  1. Business-Innovation bei Daimler – Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats ausgehebelt.
  2. Social Media betriebsintern – traditionelle Mechanismen der Gewerkschaftsarbeit funktionieren in der virtuellen Welt nicht mehr.
  3. Skill-Management und die Folgen: Herausforderung für den Betriebsrat. Digitale Vernetzung als Grundstein für problematischen Wettbewerb und das Zurückdrängen von Arbeitnehmerstandards.

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Mit der Einführung des Intranets zur Jahrtausendwende wurde in der Daimler AG der Grundstein für eine breite Vernetzung der Belegschaft gelegt. Sicher, zu diesem Zeitpunkt hatte noch niemand an ein Social Media der heutigen Prägung gedacht, wenngleich auch die Einführung mit ersten Effizienzmaßnahmen kombiniert wurde. So erlaubte die Vernetzung sehr schnell die Einführung von einfachen Mitarbeiter-Self-Service-Prozessen, wie zum Beispiel die Adress- oder Kontodatenänderungen, die bis dato vom Personalbereich gemacht wurden. Ein weiterer Baustein war die breitflächige Einführung des Datenbanksystems Lotus Notes . Dieses ermöglichte zum ersten Mal eine Vernetzung von Projekt- und Arbeitsgruppen auch zwischen den verschiedenen Firmenstandorten im In- und Ausland. Spezifisches Know-how sowie Arbeits- und Projektstände waren damit zum ersten Mal vergleichsweise einfach in der virtuellen Welt austauschbar und jederzeit verfügbar. Einher ging damit auch die erstmalige Verwendung des Begriffs eCollaboration  im Betrieb. 

Die Einführung von Internet, Intranet und Lotus Notes wurde eng vom Gesamtbetriebsrat begleitet und mündete im Abschluss einer Gesamtbetriebsvereinbarung. Geregelt wurde zum Beispiel, dass die Nutzung des Mitarbeiter-Self-Services während der Arbeitszeit erfolgen darf. Auch eine eingeschränkte Privatnutzung von Internet und E-Mail am Arbeitsplatz wurde erlaubt. Die örtlichen  Betriebsratsgremien erhielten das Recht, sich mit eigenen Seiten und Themen im Intranet präsentieren zu können. Jedoch standen diese Implementierungen auch nicht unter dem Eindruck einer Diskussion von Sparpotenzialen, sondern eher unter dem von Arbeitserleichterungen.

Business Innovation als erste Stufe des Crowd-Gedankens


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AutorIn / Quelle
Bernd Öhrler und Jörg Spiess
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Stand
01.10.2014


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Nostromo

Wirtschaftausschüsse an die digitale Front Gut geschrieben von den Kollegen Öhrler und Spiess- aber da kann mann natürlich sagen- sch´ist halt dr Daimler... Ich frage mich einfach , wie es bei den Kfz- Zulieferern aussieht, so den Leoni´s, Kiekert´s, Fischerwerke und Kleineren unserer Landschaft, ob da nicht nur der Betriebsrat scharf dran ist (auf die Rolle der Weiterbildung hat ja Christiane Benner (IG Metall Vorstand) heute in einem beachtlichen langen Interview in der "Süddeutsche Zeitung" hingewiesen), sondern auch die jeweiligen Wirtschaftsausschüsse (WA) so besetzt u nd aktiv eingesetzt werden, wie das BetrVG es ermöglicht. Stichwort: §106 BetrVG/ Pflicht des Unternehmers zur rechtzeitigen und umfassenden Unterrichtung MIT Unterlagen zur u.a.Einführung neuer Arbeitsmethoden incl. Auswirkungs- Darstellung auf die Personalplanung. LEUTE, das sind Werkzeuge, die man neben allem anderen in Stellung bringen muss; das darf ich mal nach 20 Jahre WA- Leitung sagen ! Und gerade der WA ist doch für fitte jüngere KollegInnen mit IT- Genen attraktiv... auf den Sitzungen sieht man doch mal, daß viele Chefs von Ausbildung und Neigung her in Sachen Digitaltechniken ihre Wecker neu stellen müssten- und manche von den Chefs (jetzt flasht kurz der Optimist in mir) dürften wohl auch mal ne gute Idee annehmen, zumal der Wirtschaftsausschuß als BR- Organ ja nur beratend tätig- und damit ungefährlich ist. Votum also: Massiv auch unterhalb der Techologiekonzerne die Digitalisierungsroute und "die kompletten Produktionsabläufe" (vgl.o.a.Interview C.Benner) mit Hilfe des WA hart- konstruktiv hinterfragen, alle Rechte einschl. notfalls Rechtsgutachten (über BR) nutzen, dem BR eine ordentliche Stütze sein. Hört sich bescheiden an, ist aber auf Strecke auch im Mittelstand wirksam- in dem einem Consulting- Gerücht nach viele Firmen ihr Geschäftsmodell im digitalen Galopp verlieren werden..