Faire Vergütung für Crowdworker


Crowdworking boomt. Die bisherigen Regelungen in Bezug auf faire und angemessene Arbeitsbedingung allerdings greifen zu kurz. Hier sind die Gewerkschaften gefordert, gerade weil die rechtliche Regulierung noch aussteht. Ansätze für eine faire Vergütung – von Gewerkschaftssekretär Juan-Carlos Rio Antas.


Kernaussagen

  1. Ausgangsposition: Ausbreitung der Voraussetzungen für digitales Outsourcing in die Crowd. Damit werden die Probleme der Crowdworker immer sichtbarer.
  2. In der Kritik: Die AGB (Allgemeinen Geschäftsbedingungen), denen sich Crowdworker unterwerfen müssen, die Rahmenbedingungen der Vertragsabwicklung und untragbare Zeitvorgaben.
  3. Maßnahmen: Crowdworking regulieren, Crowdsources unterstützen. Schutz vor unfairen Vertragsbedingungen, faire Vergütung (auch im Sinne sozialer Absicherung), Ausweitung der Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte in den beauftragenden Unternehmen.

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Die Omnipräsenz des Internets verändert viele Bereiche unserer Gesellschaft. Die ständige Gegenwärtigkeit und der Zugang zum weltweiten Netz nehmen Einfluss auf die Art und Weise, wie wir kommunizieren, uns informieren, lernen, konsumieren oder die Freizeit verbringen. Warum also sollte sich dadurch nicht auch die Art und Weise verändern, wie wir arbeiten. Schon seit Jahren wird im Zusammenhang mit dem Internet über die Produktivität, Innovationsfähigkeit und Intelligenz des Schwarms, der unbekannten Masse im Internet, diskutiert. Kein Wunder also, dass es seit einiger Zeit Versuche gibt, diese Produktivität und Innovationsfähigkeit zu systematisieren und wirtschaftlich produktiv zu machen.Als eine mögliche nachhaltige Form der Organisation von Arbeit mittels des Internets wird zunehmend das Crowdsourcing von Arbeitsleistungen, auch Crowdworking, genannt. thematisiert. Abgesehen von einzelnen Fällen eines unternehmensinternen Crowdsourcings, bei dem die Beschäftigten innerhalb des Unternehmens als Crowd organisiert werden, handelt es sich beim Crowdsourcing um eine besondere Form der Auslagerung, das digitale Outsourcing von Tätigkeiten. Statt gezielt selbst nach Dienstleistern für die Aufgabe zu suchen, wird die Aufgabe über das Crowdsourcing-Portal ausgeschrieben.  

*Digitalisierung als Voraussetzung für Crowdsourcing von Arbeitsleistung

Noch ist unklar, wie sehr sich Crowdsourcing verbreiten wird und ob es tatsächlich geeignet ist, in der zukünftigen Organisation von Arbeit einen breiten Raum einzunehmen. Das Potenzial aber wächst mit der zunehmenden Digitalisierung von Arbeitsinhalten und Arbeitsergebnissen in den Unternehmen. Sie ist eine Voraussetzung, damit Arbeitsleistungen über das Internet vermittelt und erbracht werden können. Waren es zunächst vor allem Unternehmen der Informations- und Telekommunikationstechnologie (ITK), die Crowdsourcing betrieben haben, so ändert sich das Bild. Der Siegeszug des Internets und die Integration von ITK-Technologien in Produkte, Produktions- und Dienstleistungsprozessen haben mittlerweile bewirkt, dass Wirtschaft und Gesellschaft vor einer umfassenden Digitalisierung stehen. Diese führt zu ganz neuen Produkten und Dienstleistungen, erzeugt neue Formen von Märkten, Kundenbeziehungen und Leistungsangeboten. Ob Forschung und Entwicklung, Produktionsplanung, Einkauf, Produktionssteuerung, Buchhaltung, Personalplanung, selbst Kundenkontakte und -schnittstellen, alle Prozesse basieren auf Informationstechnologien oder bestehen sogar ausschließlich aus digitalen Prozessen . Hinzu kommt aufgrund der sinkenden Preise für mobile Kommunikation und die dazugehörigen Endgeräte die Implementierung von entsprechenden Schnittstellen, um auch mobil auf die Prozesse zugreifen zu können.

Die Voraussetzungen für digitales Outsourcing, zum Beispiel in die Crowd, breiten sich also aus. Hinzu kommt, dass in den Unternehmen in den letzten Jahren insgesamt die Tendenz zur Auslagerung von Tätigkeiten und Leistungen ansteigt. Zum einen werden Fixkosten, Investitionen und die unternehmerischen Risiken abgewälzt, um dadurch möglichst große Kostenanteile variabel und skalierbar zu halten. Zum anderen geht es um direkte Kosteneinsparung, indem Druck auf die Zulieferer ausgeübt wird und es zu vermehrten Einsätzen von prekären Arbeitsverhältnissen kommt. Auch deshalb ist eine zunehmende Tendenz des Outsourcings in Form von Crowdsourcing zu erwarten.Effekte des Crowdsourcings von

Arbeitsleistung

Die Idee, die über das Internet ansprechbare und erreichbare Crowd als Quelle für Arbeitsleistung anzuzapfen, hat für die Verfechter des Crowdsourcings drei interessante Aspekte: Erstens ist die Anzahl an potenziellen Arbeitskräften (Crowdsourcees), die man als Unternehmen (Crowdsourcer) erreichen kann, anscheinend unübertreffbar hoch. Damit haben Unternehmen bezüglich Quantität und Qualität von Arbeitskräften eine größtmögliche Auswahl und können so ihren Bedarf optimal decken. Zweitens verbessert sich die Marktmacht der Unternehmen als Anbieter von Arbeit auf dem globalen Arbeitsmarkt. Die internationale Organisation des Crowdsourcings von Arbeitsleistung führt drittens dazu, dass auch globale Lohnkostenunterschiede unmittelbar genutzt werden können. Diese drei Effekte sollen den Unternehmen, die in die Crowd auslagern, möglichst hohe Kosteneinsparungen bringen.

Grenzen werden dem Crowdsourcing durch den notwendigen internen Aufwand gesetzt, mit dem die Voraussetzung für das Outsourcen in die Crowd geschaffen werden müssen , durch die Risiken der quantitativ oder zeitlich begrenzten Verfügbarkeit von notwendigen Qualifikationen und durch den möglichen Verlust von Know-how. 

Es ist wahrzunehmen, dass Crowdsourcing von Arbeitsleistungen immer öfter auch in etablierten Unternehmen ausprobiert wird  und dass Crowdworking insgesamt zunimmt. So berichten alle Internetplattformen, die die Vermittlung von Arbeitsaufgaben organisieren, über eine steigende Zahl angemeldeter Nutzer. 


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AutorIn / Quelle
Juan-Carlos Rio Antas
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Stand
01.10.2014


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